Montag, 22. November 2021

1965 - Schwimmkurs

 

Bildquelle: Dora Heim

1965 - Schwimmkurs

„Zu Wasser gehen diese Damen im Lehrschwimmbecken in Pliezhausen- Sie nützen jetzt die Gelegenheit sich in der Kunst des Schwimmens unterrichten zu lassen. Nach fünf Abenden sollten sie so weit sein, dass sie sich nicht nur im Leben, sondern auch im Lehrschwimmbecken über Wasser halten können. Nach den Angaben von Schwimmlehrer Deile üben sie fleißig den „Hecht“. Bald können sie zum Ausgleich für ihre Tagesarbeit abends noch ein wenig schwimmen. Auch wenn die Damen nie an einen Wettkampf denken, macht ihnen diese Tätigkeit mächtig Spaß.“ (Textquelle: Schwäbisches Tagblatt Tübingen, Samstag, 20. Februar 1965). Das Foto befand sich schon im Fundus unserer Bildersammlung. Als Zufallsfund beim Entrümpeln kam dieser Zeitungsartikel vom Schwäbischen Tagblatt Tübingen hervor. So wissen wir genau, wann dieser Schwimmkurs stattgefunden hat. Schwimmen zu können war damals keine Selbstverständlichkeit, eher ein Privileg für wenige. Erst mit dem Bau neuer Schulgebäude Ende der 1950er, Anfang 1960er Jahre wurden im Zuge der Neubauten von Volksschulen auch im ländlichen Raum Lehrschwimmbecken eingebaut.  Dafür in Frage kamen allerdings nur größere Gemeinden. So auch Pliezhausen. Erst dann waren die Voraussetzungen für Schwimmunterricht an Schulen geschaffen.

Auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass es zu der Zeit vermehrt auch Schwimmkurse für Erwachsene gab. Der damalige Schulleiter der Volksschule Häslach, Kurt Deile, war ein sehr rühriger Förderer des Sports. Das heutige Foto zeigt ihn als Schwimmlehrer. Die Frauen des Schwimmkurses kamen aus dem Turnverein (TV) Häslach.

Sowohl Häslach als auch Pliezhausen gehörten damals noch zum Kreis Tübingen. Der oben zitierte Zeitungstext stammt aus der Kreiszeitung „Tübinger Tagblatt“.

Sonntag, 24. Oktober 2021

Talbrunnenweg – vor 1950/51 – mit Hochwasser Talbrunnenweg 2021 - Durchfahrtsstraße

Bildertanzquelle: Sammlung Schaal, vor 1950/51


Bildquelle: Erika Armbruster, 20.- 07. 2021

Die beiden heutigen Fotos wurden von der Kappel aus in Richtung Talbrunnenweg gemacht. Der Standort der Fotografen dürfte annähernd derselbe gewesen sein. Beide Fotos sind nicht bearbeitet, also echt. Allerdings liegen mehr als70 Jahre zwischen den beiden Aufnahmen.

Beim ersten, alten Foto war der Talbrunnenweg wirklich nur ein Weg. Am oberen Ende führten einige Stufen zur Hauptstraße. Der Mühlbach floss noch offen durch Walddorf. Er war wieder einmal über seine Ufer getreten und verursachte dieses Hochwasser. Die hölzerne Absperrung rechts zeigt den Verlauf des Bachs an. Er floss direkt an der Talschmiede vorbei. Das Gebäude rechts gehört zur ehemaligen Talschmiede.

Auf dem aktuellen Foto vom Juli dieses Jahres, 2021, erkennt man rechts unter dem Laubbaum leicht verdeckt einen Anbau der ehemaligen Talschmiede. Für den Bildervergleich kann dies als Fixpunkt angenommen werden. Hochwasser durch den Mühlbach gibt es seit der Eindolung 1950/51 an dieser Stelle nicht mehr. Die alte Häuserzeile auf der linken Seite ist inzwischen abgerissen. Dort befinden sich heute Parkplätze. Der Talbrunnenweg ist zur Durchfahrtsstraße geworden.

Sonntag, 26. September 2021

1959 – Urlaub in Italien


 Bildquelle: Dora Heim

Nach Ende des Krieges (1945) war an Reisen nicht zu denken. Deutschland lag in Trümmern. Millionen waren unfreiwillig unterwegs durch Flucht und Vertreibung. Zunächst ging es um existentielle Bedürfnisse.

Doch Anfang der 1950er Jahre ging es langsam aufwärts. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Bus oder der Bahn (dritte Klasse) machten sich die Deutschen auf. Man blieb zunächst innerhalb des Landes: Die Tagesausflüge oder Urlaubsreisen führten in den Schwarzwald, an den Bodensee, in die bayerischen Berge an die Nord- und Ostsee. Oft nur eine Woche. Das Geld war noch knapp. Urlaub leistete man sich vom Ersparten. Übernachtet wurde in Zelten oder in Jugendherbergen. Der Urlaub diente der Erholung, schließlich arbeitete man noch sechs Tage die Woche. Hauptverkehrsmittel für Urlaubsreisen war die Bahn. In der Urlaubszeit fuhren viele Sonderzüge. Nur wenige hatten ein eigenes Auto und wenn, dann ein kleines. Die Ansprüche vor Ort waren im Vergleich zu heute eher bescheiden. In den Pensionen wünschte der Urlauber fließendes Wasser auf dem Zimmer - kalt und warm.

Ergänzt werden muss, dass in den ländlich geprägten Regionen mit bäuerlichem Charakter, Urlaub noch ein Fremdwort war. Wenn Städter verreisten, war für den Bauern Hauptarbeitszeit. An Reisen war nicht zu denken. Mitte der 1950er Jahre kamen immer mehr Motor-betriebene Fahrzeuge und Maschinen in die Betriebe, welche die landwirtschaftliche Arbeit erleichterten und die Arbeitszeiten verkürzten. Erst dann wurde es möglich, dass auch sie sich, wenn auch kurz, Urlaub leisten konnten.

In den 50er-Jahren war Italien zum Traumziel der Deutschen geworden. Mit Italien verbanden sie Sonne, Strand und Meer.

Die beiden jungen Frauen aus Häslach auf dem heutigen Foto erfüllten sich 1959 diesen Wunsch nach Urlaub in „Bella Italia“. Ihr Traumziel hieß damals „Cervia“ an der Adria. Alle Vorstellungen von Italienurlaub wurden erfüllt, „Sonne, Strand und Meer“. Gefahren wurde mit der Bahn. Der Urlaub dauerte eine Woche, ganz wie es damals üblich war.